FamilienSPICK - Interview

Dieses Interview findet Ihr in der aktuellen Ausgabe des Schweizer Elternmagazins FamilienSPICK. Das Angebot für Neu-Registrationen ist gültig bis 10. März 2018.

 

Dass in der Werbung Kinder eingesetzt werden, ist längst keine Seltenheit mehr.
Vermittelt werden sie unter anderem von Sandra Kissling, welche seit 2010 die kinderagenturswiss.ch GmbH betreibt.
Im Gespräch erklärt sie, welche Kinder sich für solche Tätigkeiten eignen, wie sie mit dem Datenschutz umgeht und wo klare Grenzen gezogen werden.

 

Sandra Kissling, was veranlasste Sie dazu, eine eigene «Kinder-Agentur» aufzubauen?

Die Idee kam durch die Geburt unserer Tochter. Wir wurden bereits im Krankenhaus sowie von der Hebamme auf unser «Werbe-Baby» angesprochen. Jedoch hatten wir überhaupt keine Ambitionen – nicht einmal einen Gedanke daran –, unser Kind in der Branche zu präsentieren. Als ich dann immer häufiger auf unser Baby mit den vielen dunklen Haaren und den Kulleraugen angesprochen wurde, hat mich das doch neugierig gemacht. Es schien mir aber zu umständlich, laufend aktuelle Fotos an diverse Werbeagenturen oder Zeitschriften zu senden. So entstand die Idee, dies einheitlich als Webseite für alle Eltern aufzubauen und anzubieten.

 

Wie hat sich das Geschäft seither entwickelt?

Als Quereinsteigerin, ohne Vitamin B, zudem mit Baby im Arm, war es nicht einfach. Das war mit viel Lernen, Disziplin und langen Nächten verbunden. Jedoch habe ich mir dadurch meinen persönlichen Traumjob kreiert – und so empfinde ich das heute noch. Ob Eltern, Werbeagenturen oder Filmproduktionen, etc.: Ich darf sagen, dass es über Mund-zu-Mund-Propaganda läuft und ich mich kaum vor Aufträgen retten kann. So etwas hätte ich nie erwartet, aber es macht mich unglaublich stolz und entschädigt die meist 7-Tage-Wochen.

Mein Mann findet es aber nicht mehr lustig, mit mir vor dem Fernseher zu sitzen. Er möchte gerne die Werbeblöcke überspringen, ich hingegen rufe «Oh, meine Kinder!» und spule zurück, um die Spots ein zweites Mal zu geniessen.

 

Wie muss ich als Elternteil vorgehen, wenn ich das Gefühl habe, mein Kind eigne sich für Marketing-Aktivitäten?

Dann empfehle ich, zuerst die Webseite www.kinderagenturswiss.ch zu durchstöbern, mit den vielen Referenzen sowie Erfahrungsberichten von Eltern, die mit ihren Kindern schon am Set waren. Das gibt einen guten, ersten Eindruck. Wenn das Interesse weiterhin besteht, kann sich ein Elternteil registrieren, damit ich die Kontaktdaten habe. Und im nächsten Schritt folgt dann das Erstellen des Kinder-Profils mit sechs aktuellen Handy-Fotos – Portraits wie Ganzkörper-Aufnahmen. Die Erfassung dauert zirka zehn Minuten und ist leicht zu handhaben, auch für Eltern, die nicht täglich am Computer sitzen.

 

Und wie läuft es anschliessend ab? Wie könnte ein erster Auftrag zustande kommen?

Sobald die Fotos hochgeladen sind, steht das Profil des Kindes nur meinen registrierten Kunden zur Verfügung. Wird das Kind von der Werbeagentur ausgewählt, erhalten die Eltern eine Mail oder einen Anruf von mir. Dann kann die Familie noch immer entscheiden, ob sie für die Firma überhaupt Werbung machen möchte. Die Verfügbarkeit des Dreh- oder Shooting-Tages wird abgeklärt und dann kann es losgehen. Je nach Projekt gibt es ein Casting oder es reicht, wenn ich topaktuelle Bilder an die Produktion weiterleiten kann.

 

Wie sieht es aus mit Datenschutz?

Der Datenschutz hat oberste Priorität. Die Werbeagenturen, Filmproduktionen oder Fotografen müssen sich registrieren, und erst wenn ich sie überprüft habe, erhalten sie den Zugriff auf die Webseite. Jedoch sehen sie auch dann keinen Familiennamen oder Wohnort des Kindes. Ich arbeite mit den Vornamen der Kinder. Wenn es zu einer Anfrage kommt, melde ich mich bei den Eltern. Auch in den Referenzen, welche mit Facebook verlinkt sind, sind immer nur die Vornamen der Kinder ersichtlich. Wenn die Eltern dann aber einen Kommentar zur Referenz ihres Kindes schreiben und in ihrem eigenen Facebook-Profil der Familienname und Wohnort aufgeführt sind, liegt das in ihrer Verantwortung. Ich kann die Eltern lediglich darauf hinweisen, entweder persönlich oder mittels unserer Monats-Infos. Der Schutz unserer Kinder ist unumgänglich.

 

Nun kann es durchaus sein, dass ein Kind anfangs noch Spass an der Sache hat, dann aber doch blockiert. Wie geht man in einem solchen Fall vor?

Die älteren Kinder können schon selbst entscheiden, bei den Kleinen ist das je nach Phase anders. Wenn das Kind im Casting nicht mitmacht, dann wird es nicht bedrängt. Das erste Mal ist immer eine Herausforderung – mit Kameras, fremden Leuten, einfach etwas ganz Neues. Die Crews haben einen sehr liebevollen Umgang mit den Kindern, es soll Freude machen und ist freiwillig. Sonst gibt es bestimmt ein nächstes Mal und dann klappt es unter Umständen besser, da das Kind ja in etwa weiss, wie der Ablauf ist.

 

Letztlich entscheidet also klar das Kind und nicht der Elternteil?

Definitiv. Unsere Kinder sollen ihre Natürlichkeit bewahren und Freude daran haben. Das Mitmachen in der kinderagenturswiss. ch soll als Hobby betrachtet werden. Ambitionierte Eltern haben bei mir keine Chance. Das Wohl des Kindes steht absolut im Vordergrund. Auch die Eltern können mitmachen, wenn sie das möchten, denn es werden immer wieder ganze Familien gesucht. Jedoch werden diese Profile in einer separaten Kartei geführt.

 

Es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern von ihrem eigenen Kind begeistert sind. Trotzdem muss es nicht unbedingt Model-Qualitäten aufweisen. Werden solche heiklen Themen angesprochen?

Für mich sind diese Themen nicht heikel, wir spielen mit offenen Karten. Ein Kind hat aber auch Chancen, wenn es zum Beispiel abstehende Ohren hat oder eine Zahnspange trägt. Charaktergesichter und Natürlichkeit sind sehr gefragt. Ich habe auch Kinder, welche nicht in einem Spot mit Dialog mitwirken möchten, sondern lieber in Shootings dabei sind. Das wird immer berücksichtigt. Letztlich werden sie reifer und wagen dann vielleicht auch einmal bei einer Sprechrolle dabei zu sein. Wie gesagt, es ist alles freiwillig. ++